Gedanken über die besondere Erwartungshaltung bei Freundschaftsspielen.

Nenne man es wie man es will: Die einen sagen Freundschaftsspiel, die anderen Vorbereitungs-, Testspiel oder haben sonst welchen Begriff dafür. Unter dem Strich ist es ein Spiel - oder vielleicht sogar ein hauseigenes Turnier - welches abseits des Pflicht- oder Pokal-Spielbetriebs durchgeführt wird.

Man spricht sich mit dem Gegner ab, sucht einen Termin, bei dem zeitlich alles passt, oft kennt man sich aus der Pflichspielserie, man tauscht sich lange Zeit bereits vor dem Spieltag aus und oftmals werden auch die Schiedsrichter zwar offiziell angesetzt aber über einen innoffiziellem Wege diesem Spiel "zugeteilt".

Eigentlich sollte ja alles in freundschaftlicher 'Atmo' ablaufen weil der Druck des Pflichspielbetriebs nicht auf die Emotionsdrüse drückt.

Man ist sich darüber einig wie gewechselt werden soll und wieviele Spieler zum Einsatz kommen und manchmal auch die ein oder andere "Sonderregel". Manchmal spricht man auch Spielsysteme ab damit der Gegner etwas bestimmtes üben kann und bis zum Anstoß läuft auch alles in entspannter und lässiger Athmosphäre.

Trotzdem stellt man sich als Schiedsrichter nach dem Spiel die Frage: Was ist hier eigentlich gerade passiert?

Es ist ein Freundschaftsspiel - da geht es doch um nichts.

Mit diesen Beispielen möchte ich etwa nicht die Fußball Regeln beugen, sondern nur denn Sinn dafür schärfen, das bei Freundschaftsspielen oft nicht alles ganz so genau genommen wird, oder werden muss. Aber wir sind noch nicht am Ende.

Eigentlich sollte es bei solchen Spielen doch gar keinen Schiedsrichter brauchen. Es braucht doch auch keinen, wenn am Mittwoch Abend beim Training die Erste gegen die Zweite nochmal zum Trainingsabschluss ´ne halbe Stunde kickt.

Dennoch sind es gerade diese Spiele, die irgenwie eher aus dem Ruder laufen als am gleichem Ort das Punktspiel mit den gleichen Mannschaften.

Obwohl die Antwort dafür ziemlich deutlich auf der Hand liegt wird gerne verdrängt das es genau die Erwartungshaltung eines "FREUNDSCHAFTS"-Spiels dazu führt das es eben gerade nicht sehr FREUNDSCHFTLICH abläuft.

Diese Liste lässt sich beliebig erweitern, und ohne den ein oder anderen Punkt genauer diskutieren zu wollen lässt sie sich wie folgt zusammenfassen:

Obwohl es NUR ein Freundschaftsspiel ist sind es die gleichen Typen von Menschen, die auf oder neben dem Feld stehen. Ziel ist es, das "Runde in´s Eckige" zu befördern und jeder hat seine ureigenste Art mit Frust, Erfolg und Misserfolg umzugehen.

Daran ändern leider auch keine schönen Worte vor dem Spiel etwas. Treffen zwei Testosteronjunkies aufeinander, dann knallts. Genau so wenig kann sich auch das HB-Männchen oder der Choleriker lange beherrschen.

Mehr oder weniger resignierend muss ich dann als Schiedsrichter feststellen:

Ein Spiel aus reiner Freundschaft gibt es nicht. Es ist und bleibt ein Wettkampf ums Runde bei dem 22 Kleinkinder austesten wie weit sie bei Mama und Papa gehen können.

Also bleibt mir nichts anders übrig, als die gleichen Maßstäbe in der Regelauslegung anzusetzen wie beim heiß umkämpften Lokalderby um den Aufstieg am letztem Spieltag.

 

Es grüsst Euch ein ernüchterter Siggi