Fachjargon. Auf dem Profirasen eine hochkomplexe, millimetergenau einstudierte Choreografie der Viererkette; auf dem Aschenplatz die formvollendete Ausrede für kollektives Versagen.
Das Prinzip ist theoretisch simpel: Die Abwehrreihe rückt im Moment der gegnerischen Ballabgabe geschlossen nach vorne, um den Stürmer ins Abseits zu stellen (Regel 11). Im modernen Profifußball funktioniert das, weil jeder Spieler permanent mit exaktem Blick auf Ball, Mit- und Gegenspieler im Bilde ist.
Auf dem Granitplatz hingegen scheitert dieses edle Vorhaben zuverlässig an der Realität des hiesigen Intellekts und der Schwerkraft. Hier läuft die Sache nach einem bewährten Reflexschema ab: Der eigene Spieler schläft, pennt tief und fest oder steht gedanklich schon in der Bratwurstschlange, während fünf Meter hinter ihm ein gegnerischer Stürmer völlig blank Richtung Tor zieht.
Sekundenbruchteile später bricht dann auf dem Platz jene unnachahmliche, hysterische Panik aus, die den Kreisliga-Fußball so liebenswert macht. Anstatt dem Gegenspieler auch nur einen Meter hinterherzusprinten, bleibt die gesamte hölzerne Hintermannschaft wie festgewurzelt stehen, reißt beide Arme in den Himmel und brüllt mit einer Inbrunst den Schiedsrichter an, als ginge es um Leib und Leben:
„Appsaitz! Schiri! Fünf Meter! Wach auf, Mann!“
Dass der Kollege auf der anderen Seite des Platzes (der natürlich mal wieder komplett pennt und das Abseits meilenweit aufhebt) in diesem Moment exakt genauso dasieht wie eine Salzsäule, wird geflissentlich verschwiegen. Für den Schiedsrichter ist die Aschenplatz-Abseitsfalle damit vor allem eins: ein akustisches Trommelfeuer aus purer Realitätsverweigerung und die unumstößliche Gewissheit, dass auf dem Dorfplatz grundsätzlich immer die anderen schuld sind.