Es gibt Momente, da schweigt sogar die Bratwurstbude. Das ist selten im deutschen Amateurfußball, wo das Zischen des Zapfhahns und das Pöbeln gegen den Schiedsrichter normalerweise zum sakralen Grundrauschen des Wochenendes gehören. Aber die Nachricht aus Erlangen hat eine Stille hinterlassen, die sich wie Mehltau über die Ascheplätze und Kabinengänge legt. Ein Kind ist tot. Erschlagen von einem Fußballtor.

Man muss sich das vergegenwärtigen: Wir schicken unsere Söhne und Töchter am Samstagmorgen zum Verein, damit sie Teamgeist lernen, sich an der frischen Luft bewegen und vielleicht – wenn es gut läuft – den Ball unfallfrei über drei Meter passen. Wir schicken sie nicht dorthin, damit sie unter einer Tonne Aluminium begraben werden, nur weil irgendjemand dachte, „des passt scho“.

Schluss mit dem Gebrüll im Sandkasten! Wenn Patrick Ittrich die Pfeife an den Nagel hängt, verliert der deutsche Fußball mehr als nur einen Unparteiischen – er verliert seinen letzten Anker für gesunden Menschenverstand. Zwischen hinfälligen Millionären, dem digitalen Kontrollwahn des DFB und Studio-Experten, die ihr Wissen aus YouTube-Tutorials beziehen, war Ittrich der letzte Erwachsene auf dem Platz. Warum er uns fehlen wird und warum die Kreisliga eigentlich der einzige Ort ist, an dem die Welt noch in Ordnung ist, lest ihr heute in Siggis neuem Kommentar.

 

Hallo Freunde der gepflegten Grätsche,

ich muss mir heute mal was von der Seele schreiben, bevor mir beim nächsten Lehrabend der Kragen platzt. Habt ihr schon mal versucht, eine Schneeflocke in eine quadratische Backform zu pressen? Nein? Herzlichen Glückwunsch, ihr seid schlauer als die Chef-Statistiker beim DFB.

Dort oben, in den klimatisierten Glaspalästen, hat man nämlich seit einigen Jahren eine neue Lieblingsbeschäftigung: Konformitätstests. Man möchte das „Ermessen“ des Schiedsrichters objektivieren. Man zieht „Leitplanken“ ein. Klingt erst mal seriös, fast schon nach TÜV-Abnahme für den Strafstoß. In Wahrheit ist es der Versuch, den Fußball zu entmenschlichen.

Während das IFAB in klimatisierten Büros von Geometrie und Chronometrie träumt, fischt die Kreisklasse den Ball noch aus den Brombeeren. 

Ein bürokratischen Amoklauf im Amateurfußball.“

 

na, habt ihr die Winterpause gut überstanden oder klebt die Currywurst noch im System? Hier ist wieder euer Siggi (für die Korrekten: Siegfried Pfeiffer). Während ihr eure Schienbeinschoner noch sucht, haben sich die Herren in den klimatisierten Büros beim IFAB und beim DFB wieder ein paar echte Leckerbissen ausgedacht.

Ich sage es euch, wie es ist: Wenn wir das in der Kreisklasse so umsetzen, wie es im Buche steht, dann brauchen wir pro Spiel drei Notarzteinsätze und ein Mathe-Studium.

Original Pressemitteilung des IFAB vom 28.02.2026 (in englischer Sprache)

Artikel des kicker mit gut verständlichen Erläuterungen

Sportschau online mit einer Kurzfassung der geplanten Regeländerungen

Hier ist mein Senf zu den "Innovationen" der Saison 2025/26:

Es ist faszinierend zu beobachten, wie hartnäckig sich bestimmte Regelirrtümer in unserem kollektiven Bewusstsein halten. Ein Paradebeispiel hierfür ist der sogenannte "Ball-gespielt"-Mythos, der im Fußball immer wieder für hitzige Diskussionen sorgt.

Warum haftet dieser Fehlglaube so hartnäckig an? Vielleicht liegt es daran, dass der Fußball, wie das Leben selbst, von Wiederholungen lebt.

In diesem Sinne lohnt es sich, sich erneut mit diesem Thema zu befassen und die verborgenen Wahrheiten hinter dem vermeintlichen Regelirrtum ans Licht zu bringen. (Beitrag aus Juli 2021, Thema: Ich hab doch nur den Ball gespielt)

Wer die Schuld daran hat, dass die Kreisklasse-Mannschaft der Kleinklecker-Kickers noch nicht Champions-League-Sieger ist, ist eine Frage, die die Gemüter im beschaulichen Kleinkleckersdorf schon seit Jahren erhitzt.

In den unendlichen Weiten der deutschen Provinz, zwischen Feldern und Wäldern, liegt das beschauliche Dörfchen Kleinkleckersdorf. Hier, wo die Zeit stillzustehen scheint und die Bewohner sich noch persönlich kennen, erhebt sich der örtliche Fußballplatz als das Herzstück der Gemeinschaft. Doch heute sollte dieser heilige Rasen Schauplatz einer Tragödie werden, die selbst die Wachtmeister der Dorfpolizei zum Stirnrunzeln brachte. Der örtliche Fußballverein, liebevoll genannt "Die Kleinklecker-Kickers", stand vor einem entscheidenden Spiel, das nicht nur über Punkte, sondern auch über den Ruf des Dorfes entscheiden sollte. Doch was als hoffnungsvolles Aufeinandertreffen begann, endete in einem Fiasko von epischen Ausmaßen, das selbst den alten Dorfwirt zum Fluchen brachte.

Und während die Sonne langsam hinter den Hügeln verschwand, war eine fiktive Pressekonferenz im Anschluss an dieses Ereignis im Dorfgemeinschaftshaus angekündigt worden, die zweifellos noch mehr Licht in dieses dunkle Kapitel des Kleinkleckersdorfer Fußballs bringen würde.

Hören wir mal rein:

Mit der Zeit hat sich wieder etwas angesammelt. Eigentlich keine Spielertypen, aber auch das Umfeld des Kreisklassengrantplatzes darf mal beleuchtet werden.

Der vierte Teil der Beschreibung von Typen, die uns regelmäßig auf Deutschlands Sportplätzen begegnen

Heute mit dabei...

  • Der Vereins Uli
  • Der Rentner Paul
  • Der Junior Kloppo.

oder... Warum ihr unbedingt Strafanzeige stellen solltet!

In den pulsierenden Arenen des Amateurfußballs, wo die Leidenschaft der Spieler und Fans auf dem Spielfeld brennt, tritt eine bedrohliche Realität zutage: die Zunahme von Straftaten gegen Schiedsrichter. Diese unschuldigen Hüter des Fairplays werden zunehmend Zielscheibe von Aggressionen und Gewalt, die das Gewebe des Sports bedrohen und eine Schattenseite enthüllen, die weit über das Spielfeld hinausreicht.

Das Phänomen der Übergriffe auf Schiedsrichter hat in den letzten Jahren alarmierend zugenommen. In vielen Fällen werden Schiedsrichter Opfer von verbalen Angriffen, tätlichen Übergriffen und sogar Bedrohungen gegen ihre persönliche Sicherheit. Was einst als isolierte Vorfälle betrachtet wurde, ist zu einem traurigen Trend geworden, der die Integrität des Amateurfußballs in Frage stellt.

Ständig quengelt Stefan mich an: 'Schreib doch mal was über Handspiel!' Ich hab's bisher erfolgreich vermieden, weil, ganz ehrlich, gibt's da wirklich viel zu sagen?

Handspiel, eine der simplen Fußballregeln, die jedoch von den wenigsten begriffen wird. Im Grunde sagt sie:

 

'Hand ist tabu, außer aus Versehen.'

 

So lässt sich Regel 12 der Fußballregeln in einfachen Worten übersetzen.


Regel 12, Handspiel

Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler:

den Ball absichtlich mit der Hand/dem Arm berührt (einschließlich Bewegungen der Hand/des Arms zum Ball)

[...]


Und damit wäre der Handspielpart des Artikels wohl schon fertig. Ist doch wirklich so simpel. Aber warum wird dann ein so simples Regelwerk so oft missverstanden?

Seit Anfang Juni des Jahres rollt der Ball wieder. Beim FC Schwarzenberg zunächst mit extremen CORONA-Auflagen sodaß nur unsere Jugendmannschaften ein paar Freundschaftsspiele austragen konnten, aber inzwischen sind nahezu alle Mannschaften wieder im Saisonvorbereitungsmodus. 

Lange vermisst habe ich das Gejohle der Kids beim Training , wenn ich bei uns über die Sportanlage gegangen bin. Aber auch mein Filius hat nun endlich die Playstation bei Seite gelegt und statt dessen die Fußballstiefel angezogen.

Ich habe mir eines der Freundschaftsspiele der Kids geschnappt um den CORONA bedingten Rost aus der Fox40 zu pusten. Natürlich keine Herausforderung, aber das Leuchten in den Augen der Kids, als sie wieder auf Torejagd gehen durften, ist einfach unbeschreiblich.

Die erste Spielleitung bei den Erwachsenen war gleich ein Bezirksliga Freundschaftsspiel der ambitionierten Nachbarmannschaften des FC Schwarzenberg. Stefan durfte ins Horn stoßen und ich stand -wie in den letzten Spielen vor gut einem dreiviertel Jahr auch - auf der eins.

Pfeifen - auch im Gespann- ist wie Eislaufen musste ich feststellen. Man verlernt es nicht, es fühlt sich nur die ersten 10 Minuten etwas wackelig an. 

Etwas wackelig waren auch motorischen Fähigkeiten der Protagonisten auf dem Feld und inspirierten mich damit zu einem Thema, welches ich schon lange einmal anpacken wollte.

Ein Vorfall bei der Europameisterschaft überzeugte mich dann endgültig, das Thema "Ball gespielt" aus der Schublade zu holen

Am ersten März des Jahres war ich in der Saison 2019/2020 letztmalig als Schiri unterwegs. Es war ein Sonntag, Kunstrasen am Stadtrand, Anstoß 15:30 Uhr und Stefan durfte ins Horn stoßen. Ich musste auf der Seite der Coachingzone mit der Fahne das Abseits anzeigen und das Wetter gab uns von Sonnenschein bis Hagel alles, was es Anfang März so im Repertoire hatte.

Wir schrieben den 21. von insgesamt 30 Spieltagen. Heim - auf Tabellenplatz 5 - hatte mit vier Punkten Rückstand auf den Ersten durchaus berechtigte Ambitionen auf einen Aufstiegsplatz. Gast - im Tabellen-Mittelfeld unterwegs-  war konkret nicht abstiegsgefährdet, rechnete aber dennoch mit ein paar Pünktchen für das Polster auf die Abstiegsplätze.

In diesem Bezirksligaspiel zeigte Heim, wer in der nächsten Saison aufsteigen will, machte bereits zur Halbzeit (4:1) alles klar und schaltete in der zweiten Hälfte einen Gang 'runter, ohne je die Kontrolle über das Spiel zu verlieren.

Beim Endstand von 6:3 gab es insgesamt 7 Gelbe Karten (3:4), der Schiri Beobachter bewertete das Spiel als "Einfach zu leiten, ohne Fehler, ohne besonders herausfordernde Spielsituationen" und lobte die gut eingespielte Zusammenarbeit des Gespanns.

Es waren an diesem Tag nicht nur die dunklen Regenwolken, die am Horizont regelmäßig auftauchten und uns mit kurzen Hagelschauern ein ums andere Mal den Spielspaß verdarben. Zwar konnte ich von meiner Position als Schiedsrichter Assistent, am gegenüberliegendem Horizont zwischenzeitlich einen wunderschönen, doppelten Regenbogen sehen, jedoch fühlte sich die Gesamtsituation auf der Sportanlage nicht nur wegen des durchwachsenen Wetters sehr unangenehm an.

Es lag eine merkwürdig, bedrückte Atmosphäre in der Luft. Man ging sich möglichst aus dem Weg und vermied zu intensiven Kontakt. Selbst die sonst übliche, herzliche Begrüßung mit dem Schiri Gespann des vorhergehenden Spiels war ungewöhnlich distanziert und auf das gesellschaftlich nötigste reduziert.

Gerne erinnere ich mich an die Zeit, in der ich einfach mit den Jungs aus der Nachbarschaft mal 'Kicken' gegangen bin. Wobei Mal? Nein!

Nahezu täglich haben wir uns nach der Schule irgendwo getroffen um gegen irgendetwas Rundes zu treten.

Unsere Idole hießen Beckenbauer, Breitner, Müller und die, die nicht auf die Bayern standen fanden Vogts, Overath, Rudi Kargus und Manfred Kaltz gut. Mein Idol war Erich Beer, der seinerzeit Kapitän bei Hertha BSC war. Die Exoten unter uns fanden Pele und Seeler gut, aber nur weil das die 'Idole waren, von denen Papa so schwärmte', diese beiden hatten nämlich die Fußballschuhe bereits längst an den Nagel gehangen.

Wenn ich von der Schule kam, warteten an der 'Klopfstange' meist bereits der Ralf, der Milan, der Guido und seine Schwester Steffi. Steffi ging bei uns als Junge durch, weil sie richtig gut Kicken konnte.

"Siggi? Komms'te Runter mit Ball?"

Klaro! Ich war keine Fünf Minuten später an der Klopfstange. Meinen Ball hatte ich auch mit, aber der war nicht so gut. Aus Plastik! Er hatte aber die Wappen der damaligen Bundesligavereine aufgedruckt. Neben den obligatorischen Bayern prangten da noch die Logos von Rot Weis Essen, Kaiserslautern und Tennis Borussia.

Nach und nach gesellten sich weitere Nachbarskinder zu uns bis wir feststellten, dass das Spielen auf ein Tor nicht so viel Spaß macht. Wir brauchten auch einen besseren Ball und so wurde bei Carsten geklingelt. Der hatte zwar keine Ahnung vom Fussi-Spielen und wurde immer als letzter Gewählt. Aber er hatte einen richtigen Lederball, kam immer im Bayern Trikot mit ner Fünf hintern d'rauf und hatte richtige Fußballschuhe mit Stollen.

Gespielt wurde auf 'ner Wiese zwischen den Häuserblock`s. Wobei 'Wiese' eher den Ursprungszustand unseres Spielfeldes beschreibt. Gekickt wurde auf einer von Kinderfüssen zertrampelten nahezu rechteckigen, viel zu kleinen Lehmfläche, die an den Rändern noch etwas Graßbewuchs hatte. 

An der einen Seite war der Ball im Aus wenn er in der Hecke landetet, auf der anderen Seite gab es nur Einwurf, wenn der Ball über die etwa einen Meter hohe Mauer flog. Unsere Tore waren mit irgendwelchen Jacken oder kleinen Erdhügeln markiert. Ab und zu lag da auch mal ein Ranzen, wenn einer keine Lust hatte diesen nach der Schule erst nach Hause zu bringen.

Trikots kannten wir nicht, wir erkannten am Gesicht wer der Gegner war. Foulspiel gab es immer wenn einer laut genug geschrien hat und bei 'Hand' war es fast immer 'Angeschossen'. Gewonnen hatte der, der zuerst Zehn Tore erzielte und Abseits war uns zu schwierig.

Wir wollten einfach nur Kicken.....

Fragt man heute irgendjemanden irgendwo auf dieser Fußballwelt nach einem Schiedsrichter der ihm in besonderer Erinnerung ist, wird mit Sicherheit an erster Stelle Pierluigi Collina genannt.

Trotzdem der Italiener seit Sommer 2005 kein Spiel mehr geleitet hat, ist er selbst Jugendlichen ein Begriff und wird vor allem bei uns Älteren nicht nur von den "Men in Black" sondern gerade auch von Spielern, Mannschaftsverantwortlichen und Fußballfans gleichermaßen geschätzt.

Der am 13. Februar 1960 in Bologna geborene Collina ist seit 2017 auch Chef der FIFA-Schiedsrichter-Kommission und gehört zu denjenigen im weltweitem Fußballsport die in einem Atemzug mit Franz Beckenbauer, Diego Maradona, Johan Cruyff, Gary Lineker, Fritz Walter, Sepp Herberger und Pele genannt werden.

Unvergessen sind gerade uns Deutschen Fußballfans seine Spielleitungen legendärer Endspiele der UEFA Champions League im Mai 1999 zwischen ManU und den Bayern sowie dem Endspiel der Fußball Weltmeisterschaft 2002 zwischen Deutschland und Brasilien.

Nicht nur seine Popularität und markante Erscheinung, sondern vor allem seine manchmal recht eigenwillige Regelauslegung und dennoch sehr konsequente Spielleitung machte den Italiener zum Sympathieträger. Collina wurde unter anderem sechsmal in Folge (1998–2003) von der FIFA zum „Weltschiedsrichter des Jahres“ gewählt und ist damit alleiniger Rekordhalter.

Zu Deinem Ehrentag lieber Pierluigi gratuliert Dir stellvertretend für alle Grantplatz-Schiries Deutschlands

Dein Siggi.