"...., und ein Spiel dauert 90 Minuten." lautet ein gekürztes und inzwischen legendäres Zitat von Sepp Herberger. "Uns Uwe" (Uwe Seeler) ist da etwas genauer mit seiner Aussage: "Erst wenn der Schiedsrichter abpfeift, ist das Spiel zu Ende..."

Beiden geht es aber in den Zitaten nicht um die Zeit als solches sondern darum, das auf dem Platz so lange konzentriert gespielt wird, bis der Schiri das Spiel für beendet erklärt. Sonst passieren da Dinge wie dem FC Bayern im Champions League Finale 1999.

Die Dauer eines Fußballspiels ist in Regel 07 mit zwei mal 45 Minuten festgelegt, unter bestimmten Bedingungen sind auch geringere Spielzeiten zulässig. Diese kommen dann regelmäßig im Jugend und Altligabereich zur Anwendung.

Darüber hinaus gibt es Nachspielzeiten weil mal wieder getrödelt wurde oder es zu Verletzungsunterbrechungen kam und es gibt in besonderen Wettbewerben sogar Verlängerungen.

Was soll also die Frage: Schiri? Wie lange noch?

Quasi nur als Randnotiz in der Rubrik 'Panorama' der Schiedsrichter Zeitung 05/2019 (Seite 16) veröffentlicht, wird der Kommentar vom Kollegen Ittrich bei uns Kreisliga Kollegen eher mit Unverständnis aufgenommen.

Natürlich hast Du recht lieber Patrick. Das ständige Lamentieren gegen Schiri-Entscheidungen ist inzwischen zu einer Unsitte im deutschem Fußball geworden. Das beginnt in Deiner 'Vorzeige Liga', zieht sich durch ganz Fußball Deutschland bis auf den letzten Grantplatz der Kreisklasse in irgendeiner verschlafenen Ortschaft und macht auch vor keiner Altersgruppe halt. Sogar die Kleinsten aus der E-Jugend schauen sich das von ihren 'Vorzeige-Liga-Vorbildern' bereits ab.

Selbst wenn Ich ein Bundesliga Spiel nur vom Pantoffelkino aus der Ferne verfolge, 'bekomme ich dicken Hals' wenn ich derartige Szenen beobachte. Weis ich doch genau, das ich morgen Vormittag dann auf dem Grantplatz genau das Selbe erleben darf. 

Gedanken über die besondere Erwartungshaltung bei Freundschaftsspielen.

Nenne man es wie man es will: Die einen sagen Freundschaftsspiel, die anderen Vorbereitungs-, Testspiel oder haben sonst welchen Begriff dafür. Unter dem Strich ist es ein Spiel - oder vielleicht sogar ein hauseigenes Turnier - welches abseits des Pflicht- oder Pokal-Spielbetriebs durchgeführt wird.

Man spricht sich mit dem Gegner ab, sucht einen Termin, bei dem zeitlich alles passt, oft kennt man sich aus der Pflichspielserie, man tauscht sich lange Zeit bereits vor dem Spieltag aus und oftmals werden auch die Schiedsrichter zwar offiziell angesetzt aber über einen innoffiziellem Wege diesem Spiel "zugeteilt".

Eigentlich sollte ja alles in freundschaftlicher 'Atmo' ablaufen weil der Druck des Pflichspielbetriebs nicht auf die Emotionsdrüse drückt.

Man ist sich darüber einig wie gewechselt werden soll und wieviele Spieler zum Einsatz kommen und manchmal auch die ein oder andere "Sonderregel". Manchmal spricht man auch Spielsysteme ab damit der Gegner etwas bestimmtes üben kann und bis zum Anstoß läuft auch alles in entspannter und lässiger Athmosphäre.

...auch die "Dicke Frau" gesungen hat.

und auch für den Schiedsrichter ist das Spiel erst zu Ende wenn er abpfeifft.

Warum ich das nochmal erwähne? Viele Mannschaften schalten in den letzten Minuten ab - ich erinnere da mal an den FC-Bayern im Champions League Finale gegen ManU 1999. Dem Schiri darf das nicht passieren.

Aber von Anfang:

Sonntag- Mittag (mit Sonnenschein) am nord-östlichem Stadtrand. Speckgürtel und einer der teuersten Kunstrasenanlagen in unserer Gegend. (Da geh´ste wie auf Wolken d´rauf). Kreisklasse, Juventus Turin [Heim] gegen Barcelona [Gäste]. Ich nenne die Mannschaften mal so, weil es zumindest den Trikotfarben entspricht.

Juve auf Platz 7 ohne rechnerische Chance auf einen Aufstiegsplatz und weit von der Abstiegszone entfernt.

Barcelona auf dem Vorletztem und bei noch 4 Spielen nur 6 Punkte vom rettendem 13. Platz entfernt. Da geht also noch was - zumindest mehr als beim unserem benachbartem Bundesligisten derzeit. Achja, dessen dritte Herren spielt übrigens auch in der Staffel und ist einem Platz vor Barcelona- aber das ist hier nur eine Randnotiz.

Kennt Ihr den?

Er begegnet Euch auf vielen Sportanlagen. Er ist verkleidet als Zuschauer, Trainer, Betreuer oder trägt ein buntes Hemd mit einer Nummer hinten d´rauf. Wochenlang - wenn Ihr ihn brauchen könntet - sieht man ihn gar nicht und plötzlich steht er dann wieder neben Dir.

Deinem Obmann oder Ansetzer ist er völlig unbekannt obwohl er ihn händeringend gebrauchen kann weil am Wochenende immer noch nicht alle Spiele besetzt sind. Wenn mal wieder ein Schiedsrichter ausgefallen ist und man auf der Sportanlage herumfragt ist er nie zu finden.

Er taucht nur immer kurzfristig auf, um Dir gute Tips zu geben und dann ganz schnell wieder in der Versenkung zu verschwinden.

Der "Ich bin (nämlich) auch Schiedsrichter".

Ja, gestern Abend nach dem Pokalspiel spürte ich tatsächlich noch den Weihnachtsbraten in den Knochen. Das erste Pflichtspiel in diesem Jahr und mir hat nicht nur das nasskalte Wetter körperlich zugesetzt sondern auch die fehlende sportliche Betätigung in der Winterpasue

Leichter, temporärer Nieselregen mit Temperaturen gerade über dem Gefrierpunkt und zwei Protagonisten aus der A-Jugend Landesliga, die einiges an "Vergangenheitsbewältigung" in diesem Pokalspiel aufzuarbeiten hatten.

Beide wollen das Pokal-Nachholspiel unbedingt gewinnen, denn der nächste Zuschauermagnet steht für das Pokal 1/8-Finale bereits fest: Die A-Jugend Bundesliga des Ortsansässigen Bundesliga Zweitligisten und man hat in jedem Falle Heimrecht.

So wird also von der ersten Minute an um jeden Meter auf dem Spielfeld gekämpft. Die Jungs gehen gut zur Sache ohne dabei grob oder unsportlich zu werden.

Die Winterpause macht´s möglich, sich noch einmal über Randerscheinungen der 'Grantplatz-Ligen' Gedanken zu machen

Es folgt der Dritte Teil der Beschreibung von Spielertypen, die uns regelmäßig auf Deutschlands Sportplätzen begegnen

Heute mit dabei...

  • Der Nachwuchs Neymar
  • Der Kommentar Günter und
  • Der Wrestler Wiese - von meinem Schiri Kollegen Manni im Hessischem gesichtet worden.

Irgendwie verstehe ich nicht, wie dieses Wort seinen Weg in den Fußball gefunden hat. Wortwörtlich kann es doch wohl nicht gemeint sein oder?

Ich meine, ein Spieler sollte die Benutzung von Fingerspitzengefühl tunlichst unterlassen. Soweit mir bekannt untersagt das Fußball Regelwerk ausdrücklich das Spielen des Balls mit der Hand - da gehören die Fingerspitzen wohl dazu. 

Als Schiri benötige ich allenfalls die Fingerspitzen um die Gelbe oder Rote Karte aus der Tasche zu holen oder irgendetwas mit einem Schreibgerät auf meiner Spielnotizkarte zu notieren. Besonders viel Gefühl in den Fingerspitzen benötige ich dafür jedoch nicht. 

Vermutlich wird das Wort aber als Metapher benutzt ... lasst den Siggi mal nachdenken, wie das dann gemeint sein kann....

... sondern auch das Urteil

Mehr durch Hörensagen bin ich auf eine Studie im Fachblatt "Cognitive Research: Principles and Implications" gestoßen.

Sie bestätigt irgendwie mein Bauchgefühl, welches ich schon immer bei Schulungen und Regelabenden hatte. Darüber hinaus beobachte ich auch bei meinen Schulungen die Reaktion der Schulungsteilnehmer.

Zeitlupen und Wiederholungen führen bei Schiedsrichtern oftmals zu einer anderen Entscheidung als wenn sie die Situation nur einmal und in Originalgeschwindigkeit sehen können.

Was zunächst wie eine Binsenweisheit klingt bekommt einen ganz anderen Hintergrund, wenn wir anhand von Videoszenen eine Schiedsrichterentscheidung nachträglich (ob als VAR oder im Lehrsaal) nochmals analysieren.

Inzwischen sind mir weitere Charaktere über den Weg gelaufen, deren Beschreibung eine besondere Erwähnng wert ist.

  • Der Senioren Rudi 
  • Der Kreisklassen Messi (von dem hat mir mein Schiri-Kollege Stefan berichten können)
  • Der Eisbeutel Wohlfahrt

Gemeinsam mit dem bekannten Schiedsrichter-Podcast von Fokus Fußball „Collinas Erben“ (@CollinasErben, von den beiden Fußball- und Regelexperten Alex Feuerherdt [@LizasWelt] und Klaas Reese [@Sportkultur]) fand im Rahmen der Vorlesung „Sportrecht“ an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln im Wintersemester 2016/17 ein

Schiedsrichter-Special

statt. Es ging um den Fußballschiedsrichter und die Fußballregeln im Recht. In den etwa 1,5 Stunden Vorlesungszeit wurde sich mit den äußerst spannenden Rechtsfragen rund um das Hobby (und den Beruf) des Fußballschiedsrichters beschäftigt. Sowohl der  Amateur- als auch im Profibereich wurden beleuchtet. Dabei ging es nicht nur um klassisches „Jura“. Vielmehr wurden die juristischen Methoden – unter Beachtung der Bedürfnisse des Sports in der Praxis, der Fairness und des Fair Play – auf die Fußballregeln und die von den Verbänden erlassenen Regelwerke angewendet.

In den Herbsferien schickt unser Verein wieder einige Schiedrichter Anwärter zum Lehrgang, darüber hinaus sind mir in den letzten Wochen immer mal wieder Differenzen zwischen unseren Jungschiries und unseren Trainern zu Ohren gekommen, die sich insbesondere "bei unseren Kleinen" zugetragen haben.

Dies vorausgesetzt wollten Stefan und ich uns mal selbst ein Bild machen, was bei uns auf der Anlage nun wirklich Dichtung und was Wahrheit ist und worauf wir beim Coaching unserer neuen Schiries dann ab Herbst besonders achten werden.


Eine Nebeninformation für die Schiri-Insider: Spiele Besetzungen -gerade im Jugendbereich- werden in den Landesverbänden sehr unterschiedlich gehandhabt. Bei uns im Schirikreis ist das jedenfalls so, das alle Spiele der E- und D-Junioren durch Vereins-interne Schiedsrichter zu leiten sind. Hier dürfen dann meist die Jungschiries ihre ersten Gehversuche machen. Es beschwert sich aber auch keiner darüber, wenn von den 'Alten Hasen' mal einer ins Horn stößt. Es wird sich halt nur gewundert.


Also haben Stefan und ich uns in den letzten beiden Wochen die E- und D-Jugendspiele geschnappt, die unter der Woche mit Anpfiff ab 18:00 Uhr stattfinden um uns einmal einen frischen Eindruck zu verschaffen.

Kreisliga am Stadtrand und heute darf ich mit einer Fahne in der Hand die Linie rauf und runter laufen, weil Stefan in´s Horn stößt. Kaiserwetter und ein Rasenplatz der jedem Green auf einem perfekt gepflegtem Golfplatz alle Ehre macht. 

Wir schreiben die 34. Spielminute. Vor ungefähr 5 Minuten hatte Stefan nach einer Notbremse im Strafraum bereits einen Strafstoß für die in  Rot spielenden Gäste aus Rothausen beim Stand von 0:1 gegeben. Es gab regel-konform nur Gelb und der Spielstand veränderte sich bei dem Strafstoß nicht.

Also die 34. Direkt vor meiner Nase (SRA1) versucht die #4 von 'Brechstange' -Klaus Thaler- (Ballführend) von der Seite aus in den Strafraum einzudringen, dabei läuft er direkt auf den Verteidiger von 'Rückwärts 68' zu. Ein kurzer Blick vom Angreifer nach unten - "aha da ist die Linie" - und der Klaus fällt spektakulär vorwärts seitlich am Verteidiger der 68'er vorbei (mit reichlich Körperkontakt).

Ich liebe diese Situationen in denen man als Schiedsrichter und als Schiedsrichter Assistent eine Situation quasi synchron und völlig gleich bewertet. Zeitgleich mit meinem Signal an meinen Gespannführer Stefan 'Kein Foulspiel' ruft dieser bereits "Weiterspielen" und macht die eindeutige Geste, das er für diese Situation keinen Strafstoß zu geben gedenkt..